Eurotrip – 3 Züge, 3 Länder, 7 Stunden
Was in Frankreich (beim Bahnfahren) alles anders ist
Die französischen Bahnautomaten sind um einiges langsamer und bescheuerter als die der Deutschen Bahn. Nach dem fünf-minütigen Frage-Antwortspiel in gebrochenem Deutsch schlägt mir der Automat der SNCF eine 19-stündige Reiseroute über Paris vor, die natürlich auch erst in 6 Stunden losgehen sollte. Aber: erstens wollte ich nicht nach Paris und zweitens konnte das niemals nie die richtige Richtung sein. Gekrönt wurde dieser Versuch des Fahrscheinserwebs durch die abschliessende Ablehnung meiner zwei Visakarten durch den "Billet"-Automaten mit dem Hinweis, dass man nur Visa akzeptieren würde. Ein verzweifelter Blick über die linke Schulter verriet mir, dass just in diesem Moment, ein Fahrkartenschalter mit einem echten Menschen drin öffnete. Eine wunderschöne Frau, dass muss hier herausgehoben werden, da die Franzosen ansonsten ziemlich hässliche Menschen sind, lächelte mich an. Also noch kurz mit dem Hacken beherzt den Automaten getreten und weg von der Maschine hin zum Menschen. Prompt erlebte ich die zweite überraschung: Sie war nicht nur ungewohnt schön, sie sprach auch noch (freiwillig) Englisch. Auch das ist eher untypisch für Baguettefresser, denn: Egal ob sie es fliessend sprechen (könnten), als Mitglied der Grande Nation spricht man scheinbar nicht fremd - blinder Patriotismus in jeder Lebenslage und eine Baskenmütze, nur das zählt. Schnell konnte ich ihr klarmachen, dass ich sie nett fand und eben so schnell war mir klar, dass sie mich nicht mochte. Trotz unseren Startschwierigkeiten dürfte ich bei ihr ein Ticket nach Genf erwerben, für 8,70 Euro, dazu später mehr. Stolz schlenderte ich mit meinem riesen Ticket Richtung Bahnsteig, da fiel mir folgendes auf: die Rollenverteilung auf dem Bahnhof war scheinbar klar geregelt. Während "Mann" für alles Rund um Gleise und Zug zuständig ist, steht die Frau hinterm Schalter, diese Erkenntnis wurde durch die genaue Betrachtung von jedem der 10 französischen Bahnhöfe bestätigt, die ich an diesem Tag noch passieren sollte.
Ein weiteres Phänomen erlebte ich in zwei französischen Zügen: Während man in Deutschland im Zug maximal von seinem Sitzplatznachbar, aber auch nur mit dem Arsch, angeguckt wird, reden die Franzosen mit dem kompletten Wagon. Trotz Französich-Grundkurs und einer Lehrerin, die scheinbar ihre Ausbildung Ende der 60er gemacht hat, wo antiautoritär noch extra-gross geschrieben wurde, hatte man schnell das Gefühl, dass sich alle schon ewig kannten und dass das Ganze eher einem Familientreffen war, als einer Zugfahrt durch die Provinz. Da werden Witze gerissen, man zeigt sich gemeinsam bestürzt über den Penner, der mit vereinten Kräften vom Zugpersonal entfernt wird und man redet, natürlich auch, über das scheiss Wetter.
Ist die Lage unlösbar schwer, kommt von irgendwo eine Deutsche her
Die nette Frau am Bahnschalter in Cluses hatte mir versprochen, dass ich ohne grosse Probleme nach Genf kommen würde. überzeugt von ihrem netten Antlitz ignorierte ich meinen logischen Menschenverstand. Statt Genf hiess mein Endbahnhof dann auf einmal Annexy, ein Vor-Vorort von Genf. Ok, auch in Frankreich kann eine Fahrt über 80 Km nicht ohne Grund nur 8,70 Euro kosten. Na Super... Also wieder ab an den Schalter und diesmal eine weniger hübsche Frau ausgewählt und siehe da, prompt eine konkrete Aussage: der Zug mit dem ich nach Genf komme fährt in 5 Stunden. Scheisse, für 10 Kilometer 5 Stunden warten? Nö! Also bleibt nur das Taxi. Vor dem Taxi eine deutsche Frau. Ihre Nationalität hatte ich aus 50 Meter Entfernung erraten, woher ist mir schleierhaft. Gleiches Problem erfordert eine gleiche Lösung: ergo Frau belabbert, 12,50 Euro statt 25 Euro für die Strecke zum Genfer Hauptbahnhof bezahlt und Problem gelöst. Die Frau fand ich übrings trotzdem doof.
Dazu muss man kurz einwerfen, dass sich folgende Seiten auch mit dem Thema auseinander setzen. Die sind einen Besuch wert:
In der Schweiz ist alles besser (als in Frankreich)
Schon als wir mit dem Taxi die Grenze in die Schweiz passiert hatten, ging es mir gleich viel besser, ohne das es mir vorher wirklich schlecht ging. Hier spricht man mindestens Englisch und umso weiter man sich von Frankreich entfernt auch umso besser Deutsch. Die Menschen sind netter, die Strassen sauberer und irgendwie ist alles besser. Die Züge sind neuer, halbwegs bequem, Essen gibt es am Sitzplatz, die Anzahl der Zugbegleiter/-innen pro Passagiere liegt bei gefühlten 2 zu 1 und es gibt sehr viele hübsche Frauen. Nur zwei Sachen, die mich schnell auf die Palme gebracht haben: 1. Man kann zwar mit Euro Zahlen, bekommt aber nur Franken wieder, für einen der mit einem 50 Euroschein bewaffnet nur auf Durchreise ist, denkbar schlecht. 2. Die Schweizer reden so langsam. Das 10 minütige Gespräch mit der Bahnmitarbeiterin hätte man auch in einer Minute führen können. Kleiner Hinweis für alle, die mal in der Schweiz mit dem IC fahren und nicht reserviert haben: Immer das Bordrestaurant suchen, meist zwischen 1. und 2. Klasse, im Vorraum zum Restaurant findet man immer ein bequemes Plätzchen und vor allem sucht da kein 2. Klässler nach einer Sitzgelegenheit.
Als ich in österreich ankam, war es bereits dunkel, da war ich dann einfach irgendwann durch.
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