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Resveratrol: Zuschlagen und essen soviel man will!?

Der Dicke Schorsch - Ansichtskarte aus Fränkisch-Crumbach (1904)

Der Dicke Schorsch - Ansichtskarte aus Fränkisch-Crumbach (1904)

... und dazu noch ein Schlüssel für ein langes Leben?

Bereits Ende 2006 erschien in einer Ausgabe von Nature eine Studie mit dem Ergebnis : Esst, soviel ihr wollt und könnt! Denn das in der Studie untersuchte Resveratrol befreit euch vielleicht nicht vom Übergewicht, aber von seinen gesundheitlichen Risiken - und deshalb verlängert das Leben!

Über kaum einen sekundären Pflanzenstoff wurde in den letzten Jahren soviel publiziert wie über Resveratrol. In der Studie selbst haben natürlich nur die Mäuse von dem Zaubermittel profitiert. Ein paar Informationen zum Stoff selbst: Resveratrol ist kein Unbekannter, Rotweinliebhabern dürfte der Name geläufig sein, und viele Forscher haben sich schon an dieser Substanz aufgerieben. Es ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Schale von Weintrauben, der während des Gärungsprozesses herausgelöst wird - und deshalb nur in Rotwein steckt. Für Weißwein nimmt der Winzer allein den Saft der Trauben. Entdeckt hat man Resveratrol, als man das französische Paradox enträtseln wollte: In Südfrankreich aßen die Menschen nämlich schon früher nicht sehr gesund. Käse, Weißbrot, viel Fett, wenig Vitamine. Trotzdem hatten sie viel seltener Probleme dem Herzen als nordeuropäische Kollegen, was die Epidemiologen überraschte. Die Vermutung: Es lag am Rotwein.

Wie bereits erwähnt sind inzwischen weit mehr als Tausend Studien über Resveratrol und seine gesundheitlichen Effekte erschienen. Gefäßzellen im Labor wurden quasi stählern, Hefen und Würmer uralt - und vor Huntington soll der Rotweinzauber auch noch schützen.

David Sinclair, der an der Harvard Medical School schon seit vielen Jahren im Tiermodell mit Resveratrol experimentiert, hat Mäuse  Kalorienreiche Diät gesetzt, die vornehmlich aus dem Fett in der Nahrung stammten. Ein Teil der Mäuse bekam zusätzlich zu den Mahlzeiten auch eine hohe Dosis Resveratrol verabreicht. Für die Kontrollmäuse gab es nur den normalen Fraß, mit weniger Kalorien und weniger Fett.

Dazu muss man kurz einwerfen, dass sich folgende Seiten auch mit dem Thema auseinander setzen. Die sind einen Besuch wert:

Die Resultate sind dem Paper zufolge wirklich atemberaubend. Keine Insulinresistenz, keine Fettleber, erhöhte motorische Fähigkeiten und ein um dreißig Prozent verlängertes Leben - die Resveratrolmäuse wurden zwar genauso fett wie ihre gemästeten Käfignachbarn, aber die schweren gesundheitlichen Konsequenzen einer Fettleibigkeit bleiben ihnen erspart. Fett aber fit, und das alles dank Resveratrol?

Der hinterfragende Mensch kann - und sollte - die üblichen Einwände berücksichtigen: Das Mausmodell ist kein Menschenmodell, Menschen sind zudem weit vielfältigeren Einflüssen ausgesetzt als Labortiere. Ausserdem stammten fast alle Studien zu diesem Zeitpunkt aus derselben Arbeitsgruppe - jener von David Sinclair in Harvard. Bevor eine andere, unabhängige Forschergruppe die Ergebnisse nicht reproduziert hat, sind sie zwar hochinteressant, mehr aber auch nicht.

Ein winziger Verweis sollte aber wirklich jeden stutzig machen, der sich nun frohgemut auf diese Sensation stürzt und Resveratrol zum Jungbrunnen erklären will. Ganz am Ende des Papers, noch hinter der Literaturliste erklären die Autoren der Studie ihre “competing financial interests“. Für den Laien: Die Autoren haben wirtschaftliche Interessen, die unmittelbar mit den Resultaten der Studie zu tun haben.

Das muss nicht heißen, die Studie von 2006 sei in irgendeiner Form manipuliert. Dennoch muss man die Ergebisse hinterfragen. Resveratrol indessen ist schon jetzt ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel und als solches käuflich. Ein lohnendes Geschäft...

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